Aktuelle Skitechnologie und ihre Begriffe

Neue Skitechnologienen und Fachbegriffe beim Skikauf

Neue Skitechnologienen und Fachbegriffe 2011

Der interessierte Schifahrer, der sich über die verschiedensten Schitechnologien schlau machen möchte, wird meist von unzähligen Begriffen wie Bio–Logic Technologie, Full Sensor Woodcore, Double Grip LT, Nomex Honeycomb Composite, Core, Adaptive Camber… erschlagen, um hier nur einige zu nennen.
Damit unsere Leser nicht resignieren, versuchen wir mal Ordnung in diesen Technologie-Dschungel hineinzubringen und wirklich nur auf das Wichtigste einzugehen.


Wesentlichen Einfluss auf die Fahrperformance eines Skis hat vorrangig das Zusammenspiel aus sechs Merkmalen:

  •  •  Längssteifigkeit (Flex)
  •  •  Quersteiffigkeit (Torsion)
  •  •  Seitenform (Sidecut)
  •  •  Schaufel- und Endengeometrie
  •  •  Vorspannung
  •  •  Gewicht des Skis


Bauweise – Sandwichbauweise

Bevor wir auf diese Merkmale eingehen wollen, hier zuvor noch ein paar Zeilen zur Bauweise eines Skis.
Für den meisten hochwertigen Ski hat sich heutzutage die Sandwichbauweise etabliert, da diese im Vergleich zu anderen Bauweisen die besten Fahreigenschaften mit sich bringt.

Der Aufbau erfolgt in einer der Skigeometrie entsprechenden Form, wo zuerst der Skibelag eingelegt wird und dann nacheinander alle anderen Bauteile bis hin zum Oberbelag: Stahlkanten, Seitenwangen, Dämpfungsschicht meist aus Kautschuk (optional), Fasergelege aus Polyester oder Carbon (der Untergurt), Lage Metall (Aluminium, Titan, optional) und der Holzkern mit dem Kernabschluss.

Nun werden wieder die gleichen Bauteile in umgekehrter Folge eingelegt. Zuletzt der Oberbelag. Das Ganze wird in der Form fixiert und mit Epoxidharzen unter Hitze und Druck in einer Presse verklebt.

Sandwichaufbau beim modernen Ski

Sandwichaufbau beim modernen Ski

Steifigkeit / Stabilität / Torsion

Torsion ist das Verwinden des Skis in seiner Längsachse.

Je weicher die Torsion, desto mehr nimmt der Kantengriff von der Skimitte zu den Skienden hin ab. Der Ski “macht auf” und greift an den Skienden nicht so stark. Diese Eigenschaft wird auch oft als “fehlerverzeihend” beschrieben.
Je härter die Torsion, desto gleichmäßiger ist der Kantengriff von der Schaufel bis zum Heck und desto stärker der Kantengriff. Diese Eigenschaft wird auch oft als „bissig, aggressiv“ bezeichnet. Der Ski muss exakter gefahren werden, um ein Verkanten zu vermeiden.

Aufgrund der heute meist vereisten Piste (Kunstschnee und „Abschaben“ des Schnees durch die hohe Anzahl der Fahrer) ist für alle Pistenfahrer ein Ski mit harter Torsion geeignet.

Für Anfänger und mittlere Schifahrer kann auch ein etwas torsionsärmerer Ski gewählt werden, da dieser nicht so exakt gefahren werden und dadurch das Verkanten besser vermieden werden kann. Um eine optimale Steifigkeit des Skis zu erreichen, wird um den gesamten Holzkern ein Fieberglasmaterial aufgetragen bzw. laminiert, dadurch wird der Ski sehr steif und windungsarm.

Flex / Durchbiegen

Der Flex bezeichnet die Durchbiegungseigenschaften eines Skis in Längsrichtung. Dieser wird im Wesentlichen durch das Gewicht des Schifahrers und durch Fliehkräfte, die bei hohen Geschwindigkeiten entstehen, beeinflusst.
Da die Ski nicht nur aus einem Material bestehen, muss der Flex nicht immer die Form einer gleichförmigen Biegungslinie besitzen. Dass der Flex eines Skis einer der wichtigsten Parameter ist, lässt sich deshalb schon sagen, weil er für Laufruhe, Griffigkeit, Schwingungsverhalten, Drehfreudigkeit und für die Führung des Skis verantwortlich ist.

Prinzipiell kann gesagt werden: Je härter der Flex, desto stärker greifen Schaufel und Heck auf der Piste, aber desto stärker federn diese bei nachlassendem Druck (Rebound-Effekt). Ein härterer Ski führt zu mehr Laufruhe, da Schaufel und Skiende durch ausreichenden Druck genügend Führungseigenschaften aufbauen können. Sie müssen exakter gefahren werden, weil sie kaum Fehler „verzeihen“ (verschneiden der Ski). Deshalb kann gesagt werden, dass sich ein harter Flex besonders für sportliche Fahrer auf harten Pisten eignet.

Ein weicherer Ski ist etwas drehfreudiger, da das Drehen durch weniger Widerstand an Schaufel und Skiende nicht behindert wird. Ein zu weicher Flex hat den Nachteil, dass der Ski nicht über die gesamte Länge gleichmäßig Druck auf die Schneedecke ausüben kann, sondern überwiegend im Mittelteil, wodurch der Ski bei höheren Geschwindigkeiten unruhig werden kann. Der weiche Ski „verzeiht“ mehr Fahrfehler und ist somit eher für den Anfänger geeignet.

Vorspannung – Camber

Die Vorspannung (Camber) ist die Wölbung des Skis. Eine positive Vorspannung bedeutet, dass der Ski in der Skimitte ohne Belastung etwas Abstand zum Schnee aufweist. Er wird in Millimetern gemessen.
Mit der Vorspannung wird die Druckverteilung auf Schaufel und Skiende beeinflusst und somit folglich auch die Drehfreudigkeit, Griffigkeit und Laufruhe des Skis.

  • Umso geringer der Vorspann, desto drehfreudiger der Ski.
  • Umso größer die Vorspannung, desto griffiger und laufruhiger der Ski.

Der Vorspann wird natürlich auch vom Gewicht des Fahrers beeinflusst. Fahrer mit einem hohen Körpergewicht brauchen eine größere positive Vorspannung und umgekehrt.
Seit heuer sind auch erstmals Ski mit negativer Vorspannung auf den Markt gekommen, welche natürlich andere Fahreigenschaften als der klassische „Camber“ Ski besitzen. Ob sich dieser neue Ski, der hauptsächlich für den Freerider konzipiert wurde, durchsetzen wird, werden uns die Verkaufszahlen der Skihändler zeigen.

Sidecut – Schaufel und Enden Geometrie

Die Seitenform (Sidecut) ist neben dem konstruktiven Aufbau und der Biegesteifigkeit maßgeblich für die Kurveneigenschaften und der Spurstabilität eines Skis verantwortlich. Die Taillierung ist das Verhältnis der Breite von Schaufel-Skimitte-Skiende und bestimmt den natürlichen Kurvenradius eines Skis.

Hatten klassische Alpinski noch eine Schaufelbreite von etwa 95mm, sind bei den modernen Carving-Ski heute 110-120mm die Regel. Slalomcarver oder Allmountain-Carver gehen sogar bis über 130mm.

Moderner Carving Ski - Skitailierung - sidecut

  • Je breiter die Schaufel, desto schneller zieht der Ski in die Kurve (Servolenkung) und umso mehr Auftrieb hat er in schweren Schneearten wie Frühjahrssulz oder Tiefschnee.
  • Je breiter die Skimitte, desto mehr Auftrieb hat der Ski in schweren Schneearten und desto laufruhiger wird der Ski.

Allerdings wird er beim Aufkanten auch umso träger. Je nach Verwendung werden heute Ski mit einer Skimitte von 65mm bis 130 mm gebaut.

Der Liebhaber von gecarvten, engen Kurvenradien sollte einen Ski mit breitem Skiende (bis zu 110 mm) wählen.
Derjenige der lieber lange Schwünge mit hohem Tempo fährt, wählt das Skiende etwas weniger breit. Einige Ski besitzen eine so genannte  Dualradius-Technologie - zwei unterschiedliche Radien definieren den Sidecut des Skis.

Für die Fahreigenschaften kommt es darauf an ob der kurze bzw. lange Radius am vorderen oder hinteren Skiteil angebracht ist. Progressiver Radius bzw. Sidecut bedeutet, dass der lange Radius am vorderen Skiteil ist.
Ist der kurze Radius vorne, spricht man von degressivem Radius bzw. Sidecut.

Die meisten Ski mit Dualradius- Technologie weisen einen progressiven Sidecut auf, er nimmt in Richtung Schaufel zu. Die stärkere Taillierung am Ski-Ende sorgt für optimale Wendigkeit. Der größere Radius im Vorderski sorgt für eine gute Stabilität und fehlerverzeihendes Fahrvergnügen.

Nun, alles klar Skifreund?  Dann ab auf den Arlberg – viel Spaß!!! ;-)